Neues DemokratieTraining bei KinderHelden

Wie wir Kinder stärken, ihre Stimme zu finden – und gemeinsam Demokratie im Alltag leben

Wir leben in einer Welt, die immer vernetzter, vielfältiger und zugleich herausfordernder wird. Kinder erleben diese Entwicklungen unmittelbar: in der Schule, im Stadtteil, in ihren Familien und online. Dabei tauchen auch Fragen auf, die von Unsicherheit und Ohnmachtsgefühlen geprägt sind. Viele der Kinder in unserem Programm nehmen ihren Alltag so wahr, dass sie ihn nur begrenzt mitbestimmen können.

Unser DemokratieTraining ist aus genau dieser Situation heraus entstanden. Denn Demokratie bedeutet weit mehr als Wahlen. Sie bedeutet:

  • sich einbringen
  • mitgestalten
  • Verantwortung übernehmen
  • andere in ihrer Stimme respektieren

Unser Ziel mit dem DemokratieTraining ist es, Kindern, die nicht wählen dürfen – und die vielleicht auch Eltern haben, die nicht wählen dürfen – zu vermitteln, dass sie sich als aktiven Teil der Gemeinschaft verstehen dürfen. Wir möchten ihnen zeigen, wie sie sich aktiv beteiligen können. Denn Demokratie geht uns alle was an. Natürlich und vor allem auch die Kinder.

Was ist das DemokratieTraining?

Das DemokratieTraining ist ein strukturiertes Begleitangebot für unsere Kinder-Mentoren²-Tandems. Es besteht aus elf aufeinander aufbauenden Treffen sowie einem zusätzlichen Ausflugstreffen und erstreckt sich über etwa drei bis vier Monate. Es richtet sich an Kinder ab der 3. Klasse sowie an Teilnehmende unserer weiterführenden Programme, darunter die StarkMacher.

Didaktisch arbeiten wir auf drei Ebenen:

  • Wissen erwerben
  • Zusammenhänge verstehen
  • Demokratie im eigenen Alltag anwenden

Für uns gilt dabei: Demokratie wird nicht nur erklärt – sie wird erlebt.

Wie ist das DemokratieTraining aufgebaut?

Der inhaltliche Weg folgt im DemokratieTraining einer klaren und kindgerechten Logik – vom eigenen Erleben bis zu gesellschaftlichen Strukturen.

  1. Demokratieverständnis
    Demokratie heißt nicht nur wählen.
    Kinder lernen: Auch ich darf mitbestimmen – und auch meine Meinung zählt.
  2. Demokratische Teilhabe im Alltag
    Wo kann ich meine Stimme einbringen (im Tandem, z. B. „Wie gestalten wir unsere gemeinsame Zeit?“, in der Schule, z. B. Klassensprecher² werden und auf gesellschaftlicher Ebene)?
  1. Unser demokratisches System im Alltag
    Hier geht es unter anderem um Gewaltenteilung, Regeln und Gesetze, warum staatliche Macht begrenzt ist, wie Wahlen funktionieren – inklusive einer simulierten Wahl mit Stimmzetteln und wie eigene Meinungen entstehen

Ein wichtiges Lernmoment ist dabei auch: Eine Welt ohne Regeln ist nicht automatisch gerechter oder besser.

  1. Gutes demokratisches Zusammenleben

Im Mittelpunkt stehen die Werte hinter der Demokratie:

  • Vielfalt als Realität – und als Stärke
  • Gerechtigkeit
  • respektvoller Umgang mit unterschiedlichen Meinungen

Die zentrale Frage lautet hier: Wie gehe ich damit um, wenn jemand ganz anders denkt als ich?

  1. Zusammenfassung und Reflexion

Zuletzt wird das Erlernte und Erlebte zusammengefasst, sodass es zu einem für Kind und Mentor² nachhaltig wirkungsvollen Abschluss kommt.

Welche Methoden machen Demokratie erlebbar?

Wir arbeiten mit einem DemokratieTagebuch, kreativen Aufgaben, Bewegungsübungen und dialogischen Formaten. Zum Einsatz kommen unter anderem ein DemokratieMemory, kurze Reflexionsimpulse zur eigenen Stimme und der Kompromisswürfel zur Konfliktlösung. Ergänzt werden die Treffen durch kurze Einstiege wie den DemokratieMoment, spielerische DenkSpaß-Aufgaben sowie weiterführende DemokratieMissionen und DemokratieAbenteuer.

Wie berücksichtigen wir unterschiedliche Erfahrungen der Kinder?

Kinder bringen sehr unterschiedliche Erfahrungen mit. Manche erleben Mitbestimmung, andere Ausgrenzung oder Diskriminierung. Unser DemokratieTraining setzt keine Vorkenntnisse voraus und knüpft konsequent an den Lebenswelten der Kinder an. Besonders wichtig ist für uns eine klare antidiskriminierende Haltung: Erfahrungen von Ausgrenzung werden ernst genommen, die Perspektive der betroffenen Kinder ist entscheidend und diskriminierende Situationen werden nicht relativiert, sondern benannt, eingeordnet und gemeinsam reflektiert.

Unser Ziel ist es, Kinder darin zu stärken,

  • respektvoll zu handeln,
  • eigene Grenzen und die Grenzen anderer zu achten
  • und sich selbst sowie andere zu schützen.

Wer hat das DemokratieTraining entwickelt?

Das DemokratieTraining wurde interdisziplinär von Mitarbeitenden von KinderHelden entwickelt. Pädagogische, kultur- und politikwissenschaftliche Perspektiven sowie langjährige Erfahrungen aus dem Mentoring fließen dabei zusammen. Federführend sind hier Katharina Rehberger und Klara Spiesberger aus den Regionen Rhein-Neckar und München zu nennen.

Unser Anspruch war ein Konzept, das fachlich fundiert ist, gleichzeitig niedrigschwellig bleibt und von Ehrenamtlichen sicher umgesetzt werden kann. Die Struktur folgt einer klaren Logik: vom persönlichen Erleben (eigene Stimme)  über das soziale Miteinander (Kompromiss, Tandem, Schule) hin zu politischen Strukturen (Wahlen, Gewaltenteilung, Grundrechte).

Wie begleiten wir unsere Tandems konkret?

Das DemokratieTraining ist eng mit dem Mentoring verknüpft. Viele Themen – Selbstvertrauen, Zugehörigkeit, Konflikte, Gerechtigkeit – spielen ohnehin im Tandem eine Rolle. Unsere Mentoren² erhalten deshalb konkrete Gesprächsimpulse, praktische Tipps für sensible Situationen und Orientierung im Umgang mit herausfordernden Aussagen. Auch für Situationen, in denen Kinder selbst diskriminierende oder abwertende Aussagen äußern, geben wir klare Handlungshilfen. Es geht darum, Situationen zu benennen, Grenzen deutlich zu machen, gemeinsam einzuordnen und im Dialog bleiben.

DemokratieTraining: Wirkung

Für Kinder bedeutet das DemokratieTraining vor allem, ihre Selbstwirksamkeit zu stärken, ein Bewusstsein für die eigenen Rechte zu entwickeln und die eigene Stimme zu finden und aktiv zu nutzen. Sie lernen, Beteiligungsmöglichkeiten im Alltag wahrzunehmen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, Sensibilität für Diskriminierung zu entwickeln und demokratische Gesprächs- und Konfliktfähigkeit zu trainieren.

Für Ehrenamtliche bietet das Training die Gelegenheit, mehr Handlungssicherheit im Umgang mit sensiblen gesellschaftlichen Themen zu gewinnen, eine klare demokratische Haltung im pädagogischen Handeln einzunehmen, die eigene Position zu reflektieren und sich als Vorbild für demokratisches Miteinander zu stärken.

Für das Tandem trägt das Training dazu bei, die Beziehung zwischen Mentor² und Kind zu festigen, eigene Strategien zur Konfliktbearbeitung zu entwickeln und gemeinsam gesellschaftliche Fragen auf Augenhöhe zu reflektieren.

Langfristig möchten wir mit dem DemokratieTraining dazu beitragen, dass demokratische Werte nicht nur verstanden, sondern aktiv im Alltag gelebt werden. Demokratie ist nichts Staubiges aus dem Politikbuch – sie ist lebendig, manchmal laut, manchmal herausfordernd und ziemlich spannend. Wir bei KinderHelden möchten zeigen: Sie betrifft uns alle. Nicht erst, wenn man erwachsen ist.

Jede Stimme zählt. Jede Meinung darf da sein. Und alle Menschen sind gleich viel wert.



Spenden

'

Mitmachen

'