„Kleine Schritte können eine große Wirkung haben.“

Interview mit Anica Hofmann, digitale Mentorin und Bosch-Mitarbeiterin

Anica Hofmann ist Mutter und engagiert sich neben ihrer Vollzeitbeschäftigung bei der Robert Bosch GmbH bereits zum zweiten Mal als digitale KinderHeldin im Projekt „Fit für Fünf“. Hier begleiten Ehrenamtliche sechs Monate lang einmal pro Woche ein Kind mit erschwerten Startbedingungen beim Übergang von der vierten in die fünfte Klasse.

Im Interview erzählt die Process Chain Managerin am Standort Feuerbach, warum sich ihr Engagement so gut mit Familie und Beruf vereinbaren lässt – und weshalb schon eine Stunde pro Woche viel bewirken kann.

Interview

Warum engagierst du dich bei KinderHelden?

Bildung darf keine Frage der Herkunft sein. Als Mutter sehe ich jeden Tag, welchen Unterschied Förderung für ein Kind machen kann. Gleichzeitig weiß ich, dass viele Kinder nicht mit denselben Chancen starten. Ich hatte das Glück, im Leben viele Chancen zu erhalten. Deshalb ist es mir wichtig, etwas zurückzugeben und Kinder auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen. Zudem hat mich das professionelle 1:1-Konzept überzeugt. Ich kann erleben, welche direkte Wirkung meine Unterstützung hat.

Wie bist du auf KinderHelden aufmerksam geworden?

Über eine interne E-Mail meines Arbeitgebers, der Robert Bosch GmbH, bin ich auf KinderHelden aufmerksam geworden. Ich habe mich weiter informiert und schnell gemerkt, dass das Projekt sehr gut zu mir passt.

Warum funktioniert das digitale Format für dich so gut?

Ich bin beruflich stark eingebunden und möchte natürlich auch für meine Familie da sein. Da bleibt nicht viel Zeit für weitere Aktivitäten. Das digitale Konzept ermöglicht es mir, das Ehrenamt unkompliziert in meinen Alltag zu integrieren. Ich spare Anfahrtszeiten und kann mein Mentee dennoch regelmäßig und zuverlässig begleiten.

Du hast schon zwei Kinder unterstützt, warum?

Es macht einfach Spaß. Letzten Januar habe ich Ömer aus München ein halbes Jahr rein digital begleitet und seit diesem Januar Milana aus Frankfurt. Gerade machen wir die Abschlussübung – die 1-Minuten-Lesechallenge. Anhand dieser konnten wir gut erkennen, welche tollen Fortschritte Milana im Laufe der gemeinsamen Zeit beim Lesen gemacht hat.

Wie laufen die Treffen ab?

In einer kurzen Aufwärmrunde sprechen wir darüber, wie es uns geht und welche Erlebnisse oder Herausforderungen es in der Schule gab. Meistens machen wir das spielerisch, indem wir Emojis gestalten.

Danach lesen wir gemeinsam – mal im digitalen Lesebuch, mal in der Kinderzeitung oder Texte, die genau zu den Interessen meiner Mentees passen. Ömer mochte Fußball sehr gern. Milana schwärmt für K-Pop und Tiere.

Anschließend machen wir zur Auflockerung Sprachspiele oder beschäftigen uns mit Themen rund um den Wechsel auf die weiterführende Schule. Wenn die Konzentration nachlässt, gibt es zwischendurch kleine Bewegungseinheiten. Milana und ich haben dafür zum Beispiel einfach unsere Stühle zur Seite geschoben und zu ihrem Lieblingslied „APT.“ von ROSÉ getanzt.

Welche Entwicklung hast du bei deinen Mentees beobachtet?

Die Kinder wurden zunehmend offener, selbstständiger und sicherer bei den Aufgaben. Auch die Kommunikation fiel ihnen leichter und wurde häufiger proaktiv gesucht. Diese Fortschritte mitzuerleben, war für mich sehr motivierend und hat gezeigt, wie wichtig kontinuierliche Unterstützung und der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung sein können.

Besonders bewegt hat mich, als Ömer im Laufe der Zeit immer selbstbewusster und offener wurde und schließlich von sich aus unser „Sprachspiel“ spielen wollte. Die Begriffe für das Sprachspiel haben wir gemeinsam passend zu seinem Lieblingsspiel „Brawl Stars“ ausgewählt.

Dieser Moment hat mir gezeigt, dass sich seine Offenheit, sein Vertrauen und auch seine Freude am Lernen weiterentwickelt haben.

Wie haben dir die Materialien von KinderHelden geholfen?

Sehr gut. Ich habe mich bei den wöchentlichen Treffen am Fördermaterial orientiert. Es war praxisnah, gut verständlich und einfach integrierbar. Besonders hilfreich waren die abwechslungsreichen Übungen und die konkreten Ideen für die Gestaltung der Treffen.
Auch die organisatorische Unterstützung ist hervorragend.

Funktioniert Lernförderung auch digital?

Ja, absolut. Die Videotreffen liefen sehr unkompliziert und technisch hat alles gut funktioniert.
Die Kinder haben außerdem viel Freude an den digitalen Möglichkeiten – beispielsweise daran, mit digitalen Werkzeugen einen virtuellen Konfetti-Regen zu gestalten.

Gab es einen Satz deines Mentees, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja: „Oh nein. Müssen wir wirklich schon aufhören?“

Deine Learnings?

  • Kleine Schritte können eine große Wirkung haben.
  • Vertrauen ist eine wichtige Grundlage für erfolgreiches Lernen.
  • Jedes Kind lernt anders und braucht individuelle Unterstützung.
  • Auch online kann eine vertrauensvolle Beziehung entstehen.

Digitales 1:1-Mentoring bedeutet für dich?
Nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern vor allem auch zu ermutigen und das Selbstvertrauen zu stärken.

Warum würdest du das Ehrenamt Kolleginnen und Kollegen empfehlen?

Weil dieses Engagement persönlich unglaublich bereichernd sein kann und man die Erfahrung selbst machen sollte. Es ist möglich, mit einem überschaubaren Zeitaufwand einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen.

Für mich ist es ein sinnstiftendes Ehrenamt, das sich gut mit Beruf und Familie vereinbaren lässt und bei dem man Kinder nachhaltig auf ihrem Bildungsweg unterstützen und ermutigen kann.

Digitales Mentoring – neugierig geworden?

Die nächsten Tandemstarts für “Fit für Fünf” sind am 15. Oktober 2026 und 15. Januar 2027. Eine Anmeldung ist jederzeit möglich:
https://www.kinderhelden.info/projekt/fit-fuer-fuenf/

Wer sich vorab informieren möchte, ist herzlich zu einer der regelmäßigen Online-Infosessions eingeladen.

Schenke wie Anica einem Kind eine Stunde pro Woche – und begleite es mit digitalem Mentoring auf dem Weg in die 5. Klasse. Wir freuen uns, wenn du dabei bist!



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