„Beim Klettern wie in der Schule – immer nur den nächsten Griff sehen.“

Wie Mentor Ludwig und sein Mentee Max-Jordan zu einem echten Team geworden sind

Als Entwicklungsingenieur bei Bosch entwickelt Ludwig Lösungen für technische Herausforderungen. Präzision, analytisches Denken und Geduld gehören zu seinem Berufsalltag. Als KinderHeld setzt er genau diese Fähigkeiten auf eine ganz andere Weise ein: Im Projekt „Käpsele“ begleitet er den 14-jährigen Max-Jordan auf seinem schulischen und persönlichen Weg – und schenkt ihm damit echte Zukunftschancen.

Auf KinderHelden wurde Ludwig Kornau durch einen Artikel im „Bosch-Zünder“ aufmerksam. Der Gedanke ließ den Reutlinger nicht mehr los: Kindern mit erschwerten Startbedingungen durch Zeit und Aufmerksamkeit bessere Bildungschancen zu ermöglichen. Die Entscheidung für das Ehrenamt hat viel mit seiner eigenen Geschichte zu tun. „Ich hatte selbst Menschen, die mich gefördert haben. Jetzt möchte ich dieses Glück einfach weitergeben“, sagt der 49-Jährige.

Gemeinsam wachsen – Schritt für Schritt

Das erste Kennenlernen war für beide spannend. Ludwig saß Max-Jordan, damals noch ein Grundschüler, zum ersten Mal gegenüber. Doch schnell war klar: „Das passt!“ Sie entdeckten viele Gemeinsamkeiten – Fußball, Tischtennis und vor allem das Klettern. Dass sich direkt an Max-Jordans Gemeinschaftsschule eine Kletterwand befindet und Ludwig bereits Erfahrung im Bouldern mitbringt, war ein glücklicher Zufall. Bis heute beginnen ihre wöchentlichen Treffen häufig mit einer gemeinsamen Klettereinheit. „Beim Klettern lernt man, seine Kraft einzuteilen“, erklärt Ludwig Kornau. „Die Arme lang lassen, nicht verkrampfen und immer nur den nächsten Griff im Blick haben.“ Diese Haltung überträgt er auch auf den Schulalltag seines Mentees. „Du musst jetzt nicht schon an die Realschulprüfung in drei Jahren denken. Konzentrier dich einfach auf den nächsten Schritt – genau wie beim Klettern. Jetzt zählt erst einmal der nächste Test. Ich unterstütze dich dabei.“

Lernen, selbstständig zu denken

Anfangs arbeitete der KinderHeld noch mit einem festen Übungsplan in Mathe: Kopfrechnen, Einmaleins, Textaufgaben. Heute verfolgt er einen anderen Ansatz. „Max-Jordan soll selbst überlegen, wobei er meine Hilfe am nötigsten braucht. Dadurch übernimmt er Verantwortung für seinen eigenen Lernerfolg.“ Dieser Perspektivwechsel zeigt Wirkung. Max-Jordan arbeitet inzwischen deutlich selbstständiger und fokussierter. Er weiß, dass sein Erfolg von seinem eigenen Einsatz abhängt. Besonders freut Ludwig, dass sein Mentee sich kontinuierlich verbessern will: „Ich finde es faszinierend zu beobachten, wie Max selbst auf die Lösung eines Problems kommt. Wenn ich sehe, dass er etwas wirklich verstanden hat, geht mir das Herz auf.“

Gegenseitiges Vertrauen, das trägt

Mindestens genauso wichtig wie die schulische Unterstützung in Mathe oder Deutsch ist für Ludwig die persönliche Weiterentwicklung seines Schützlings. „Max-Jordan vertraut mir. Er möchte meine Meinung hören und weiß, dass er mir alles erzählen kann, ohne bewertet zu werden.“ Der Junge wächst mit vier Brüdern auf. Daher genießt er die ungeteilte Aufmerksamkeit während der gemeinsamen Zeit umso mehr – Zeit, in der sich alles einmal nur um ihn dreht.

Aber nicht nur der Siebtklässler profitiert, auch der Ingenieur nimmt viel von seinem Ehrenamt mit. „Ich tauche jede Woche in die Lebenswelt eines Jugendlichen ein und entdecke, wie junge Menschen denken. Das erweitert auch meinen eigenen Blick“ und er fügt lächelnd hinzu: „Es gibt eben noch eine andere Sicht auf die Dinge als die von Erwachsenen.“

Lernen und gemeinsam verbrachte Freizeit. Die Mischung macht’s. Auch außerhalb der Schule besuchen beide kostenlose Veranstaltungen von KinderHelden. Wie zum Beispiel, ein vom Bosch Talent-Pool-Team organisiertes Mint-Event in Feuerbach. Dort konnte Max-Jordan erleben, wie eine Fertigungsstraße entsteht – eine spannende Ergänzung zum Schulunterricht. Der Mentor freut sich, dass seine eigene Begeisterung für Technik auf den Siebtklässler übergesprungen ist. „Da wird Mathe und Physik in der Praxis plötzlich lebendig.“

Warum empfiehlt Ludwig sein Ehrenamt weiter

Die wöchentlichen Treffen sind für den 49-jährigen längst ein fester Bestandteil seines Kalenders und ein wertvoller Ausgleich zum Berufsalltag. Auch die professionelle Begleitung durch KinderHelden hat dazu beigetragen, dass er inzwischen drei Jahre dabei ist. Lachend fasst er zusammen: „Man muss keinen pädagogischen Hintergrund haben, um einem Kind Selbst-bewusstsein und Motivation zu schenken. Für mich ist es einfach schön, Vorbild sein zu dürfen.“

Kolleginnen und Kollegen, die überlegen, selbst ehrenamtlich tätig zu werden, möchte Ludwig ermutigen: „Man muss nicht perfekt sein. Die Kinder sind für die gemeinsame Zeit unglaublich dankbar und haben keine hohen Erwartungen. Es ist besser, 80 Prozent zu geben, als sich gar nicht zu engagieren. Alle Kinder verdienen eine faire Chance. Für mich ist dieses Engagement sinnstiftend.“ Und der Boschler ist überzeugt: „Durch die gemeinsame Zeit kann Max-Jordan viel wachsen. Ich bin sicher, dass er auch in vielen Jahren noch von unserer Zeit profitieren wird.“



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