„Fit für Fünf – macht Spaß und bringt was.“

Frank Rollert, Boschler im Ruhestand und KinderHeld

Frank Rollert hat in seinem Berufsleben schon viel Führungsverantwortung übernommen, zuletzt als Vice President Cost Engeneering und Benchmarking in Reutlingen. „Durch meine umfangreichen beruflichen Aufgaben habe ich nie die Zeit gefunden, mich zu engagieren“, so der 65-Jährige. Jetzt, im Ruhestand ändert sich das. „Nicht, dass ich mich gelangweilt hätte – aber das digitale Projekt ‘Fit für Fünf’ war für mich der ideale Einstieg. Das Zeitinvestment war überschaubar, das Konzept klar strukturiert und bestens vorbereitet.

Kurz: Mentoring macht Spaß und bringt was

Seit Januar begleitet der 65-Jährige den 11-jährigen Muhammed aus München. Eine Stunde pro Woche unterstützt Frank digital beim Übergang auf die weiterführende Schule. Anfangs war Muhammed sehr zurückhaltend. „Ich hatte das Gefühl, ständig reden zu müssen“, erinnert sich Frank. Dann fiel ihm wieder ein, was er eigentlich schon lange wusste: „Wenn ich die Stille aushalte, entsteht ein Prozess. Dann öffnet sich das Kind.“ Mit der Zeit erzählte Muhammed immer mehr – von seiner Familie, seinem Alltag und sogar von seinem Großvater in Bosnien. Irgendwann fragte er seinen Mentor auch: „Frank, wie geht es dir eigentlich?“ Für Frank war klar: „Da ist eine Tür aufgegangen.“

Leselust statt Lesefrust

Immer zu Beginn des Treffens stellte das Tandem mithilfe kleiner Schafe mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken fest, wie es ihnen ging. „Meistens war es ein fröhliches Schaf. Da habe ich gemerkt: Muhammed freut sich auf unsere Treffen.“ Danach wurde gelesen. Der Viertklässler, der bosnische Wurzeln hat, hatte den festen Willsen seine Lesefähigkeit zu verbessern. „Sag mir, wo ich besser werden kann“, sagte er zu seinem Mentor. Das beeindruckte Frank. Beide lasen vor allem Texte über Fußball. „Das ist eigentlich gar nicht so mein Thema – aber wichtig ist, dass Muhammed Spaß am Lesen hat.“

Die Fortschritte waren beeindruckend: Bei der abschließenden Lese-Challenge las Muhammed 96 Prozent der Wörter richtig und machte nur noch einen Fehler. Als Sahnehäubchen hielt Muhammed seinem Mentor noch stolz seinen Deutschtest in die Kamera. Note: 2.

Digital Bildung schenken – und noch viel mehr

Auch am Bildschirm erkannte der Boschler schnell, wenn die Konzentration seines Schützlings nachließ. Dann wechselten die beiden zu kleinen Spielen. „In Sudoku ist er ein echtes Naturtalent“, erzählt Frank lachend. Oder sie unterhielten sich über andere Themen, beispielsweise über Körpersprache und den Umgang mit anderen Menschen. „Auch im Gesicht deines Lehrers kannst du sehen, wie es ihm geht“, gab Frank schmunzelnd seinem Mentee mit auf den Weg.

Ein Abschied – und ein neuer Anfang

Nach einem halben Jahr neigt sich die gemeinsame Zeit dem Ende zu. Nach den Sommerferien geht für Muhammed, dank Franks Hilfe, ein großer Wunsch in Erfüllung. Er darf auf die Realschule wechseln. Für Frank steht ebenfalls fest: „Das wird nicht mein letztes Mentoring sein. Mein Engagement bei KinderHelden geht mit einem anderen Kind weiter.“ Bald findet das letzte gemeinsame Treffen statt. „Das wird für uns beide noch einmal hart werden“, sagt Frank.

Die vergangenen Monate haben nicht nur Muhammed gestärkt. Auch der Ruheständler nimmt viel mit und freut sich über die dankbaren Rückmeldungen des Jungen und seiner Familie.

Seinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen möchte er Mut machen, sich ebenfalls ehrenamtlich zu engagieren: „Viele fragen sich nach dem Berufsleben: Was mache ich jetzt eigentlich? Ich habe so viel Gutes erlebt. Das möchte ich weitergeben – an Kinder, die unsere Zukunft sind.“ Und noch etwas steht für ihn fest: „Als Mitarbeiter von Bosch sind wir privilegiert. Irgendwann stellt sich spätestens nach der Berufstätigkeit die Frage: Was kann ich Sinnvolles tun? Für mich ist die Antwort klar: KinderHeld zu sein.



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