28 Sep. Erst Präsenz, dann Pixel: Niklas & Francis beweisen, dass Mentoring auch auf Distanz funktioniert
Niklas Drössler, KinderHeld und Student an der TU München, berichtet im Portrait, weshalb er und sein Mentee Francis ihr Tandem trotz räumlicher Distanz nicht einfach beendeten.
Der 21-Jährige engagiert sich seit zwei Jahren als ehrenamtlicher Mentor bei KinderHelden und begleitet den 10-jährigen Francis. Als Niklas vor einem Jahr für sein Studium von Stuttgart nach München zog, war für beide klar: Aufhören ist keine Option.
Vor seinem Umzug nach München studierte Niklas in Stuttgart. Trotz eines vollgepackten Wochenplans entschied er sich bewusst für ein Ehrenamt bei KinderHelden. Der Auslöser dafür war eine sehr persönliche Erkenntnis nach zwei Auslandsaufenthalten in den USA und Südkorea: Niklas wurde klar, dass sein bisheriger Bildungsweg ein großes Privileg war – das Ergebnis eines „Gewinns in der Geburtslotterie“, wie er es nennt, ermöglicht durch ein unterstützendes Elternhaus. Da viele Kinder wertvolles Potenzial mitbringen, aber nicht das gleiche Los in der Geburtslotterie gezogen haben, wollte er der Gesellschaft etwas zurückgeben und Chancengerechtigkeit aktiv mitgestalten.
Als nach einem Jahr das Ende der regulären Tandemzeit bevorstand und Niklas’ Umzug nach München anstand, war schnell klar, dass die beiden ihr Tandem weiterführen würden. Francis ist energetisch, extrem kreativ und voller unstillbarer Neugier – Eigenschaften, die im starren Schulsystem nicht immer leicht Platz finden. Nachdem Niklas zu Beginn versuchte, Francis klassisch mit Hausaufgaben zu unterstützen, änderte er seinen Ansatz grundlegend: Statt Schwächen auszugleichen, ging es fortan darum, Stärken zu stärken. Mit Besuchen in Museen oder gemeinsamen Ausflügen ins Freibad veränderten sich nicht nur die Schulnoten positiv – auch der Spaßfaktor stieg enorm.
Während sich die beiden früher noch persönlich in der Schule trafen, findet der Tandem-Alltag mittlerweile 100 % digital statt – im geschützten TandemRaum auf dem digitalen Campus von KinderHelden. Sobald die Technik im Video-Call eingerichtet ist und die Verbindung steht, tauchen die beiden regelmäßig in die Welt des Programmierens ein. Über die visuelle Programmiersprache Scratch entwickeln sie eigene kleine Story-Games mit selbst ausgedachten Charakteren wie „Bad Roboboy vs. Good Roboboy“. Francis übernimmt dabei weitgehend das Ruder, teilt seinen Bildschirm und tüftelt zwischen den Treffen mithilfe von Tutorials eigenständig weiter.
Dass digitale Begleitung und echte Nähe Hand in Hand gehen können, zeigt sich auch in der emotionalen Bindung der beiden. Francis drückt die Beziehung auf seine ganz eigene, treffende Art aus: Auf die Frage, was seinen Mentor für ihn besonders macht, brachte er es mit einem knappen, aber voller Respekt gemeinten „Niklas ist tuff“ auf den Punkt.
Wie sehr Francis in den gemeinsamen Jahren aufgeblüht ist, zeigte sich besonders beim KinderHelden-Sommerfest, für das Niklas extra aus München nach Stuttgart anreiste. War Francis beim ersten Sommerfest im Vorjahr noch sehr schüchtern und zurückhaltend gewesen, erlebten ihn alle Beteiligten ein Jahr später völlig ausgewechselt: gesellig, aufgeschlossen und mitten im Geschehen. Zudem übernahm er stolz Verantwortung für seinen jüngeren Bruder.
Neben den Fortschritten bleiben vor allem die unbeschwerten Momente in Erinnerung: ein sonniger Tag im Stuttgarter Freibad, beim UNO-Spielen oder ein Ausflug in die Wilhelma, bei dem eine Gans mit schwarzer Augenumrandung von Francis kurzerhand zur „Killerente“ erklärt wurde.
Ein Gewinn für beide Seiten
Für Niklas geht es beim Mentoring vor allem darum, Selbstbewusstsein zu schenken und jemand zu sein, der bedingungslos an das Kind glaubt. Doch die Zeit hat auch seine eigene Perspektive nachhaltig geprägt: Sie hilft ihm dabei, den typischen Erwachsenen-Tunnelblick auf Studium und Karriere abzulegen und die Welt wieder mit den neugierigen Augen eines Kindes zu sehen.
Sein Fazit für alle, die über ein Engagement nachdenken, ist eindeutig: Statt pauschal über die Jugend zu klagen, hat jeder die Wahl, seine Zeit und Erfahrung einzubringen und die Zukunft von Kindern aktiv mitzugestalten.
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