10 Sep. Wie aus zwei Zetteln pro Treffen eine echte Freundschaft wurde
Karina Macicas, KinderHeldin sowie Germanistik- und Anglistik-Studentin, verrät uns im Interview, weshalb sie nach einem Jahr das Tandem nicht wie geplant beendete.
Karina begleitet ihr 11-jähriges Mentee Noha schon weit über das erste Jahr hinaus. Im Interview erzählt die 23-Jährige von kreativen Lernmethoden, besonderen Vertrauensmomenten und warum Mentoring bei KinderHelden eine echte Bereicherung für beide Seiten ist.
Was waren deine Beweggründe, dich bei KinderHelden ehrenamtlich zu engagieren?
Ich hatte schon immer einen besonders guten Draht zu Kindern und bin bereits seit vielen Jahren ehrenamtlich in Kinder- und Jugendgruppen aktiv. Für mich war es besonders spannend, bei KinderHelden ein Kind 1:1 zu begleiten und so die Entwicklung über einen längeren Zeitraum miterleben zu können.
Was hat dich dazu motiviert, dein Mentee nicht nur ein Jahr zu begleiten?
Noha und ich haben uns auf Anhieb verstanden – wir wurden perfekt gematcht. Schon im ersten Jahr ist eine schöne Freundschaft entstanden. Wir spielen, lachen und lernen gemeinsam, die Zeit vergeht wie im Flug. Mittlerweile sind wir ein richtig gutes Team und haben viel voneinander gelernt. Hätte ich nach einem Jahr aufgehört, würde mir heute definitiv etwas fehlen.
Wie sieht ein typisches Tandemtreffen bei euch aus?
Unsere Treffen folgen meist einem ähnlichen Ablauf: Wir treffen uns draußen an unserer Lieblingsbank und tauschen uns zu Beginn über die Woche aus – Gesprächsstoff haben wir immer. Anschließend entscheiden wir gemeinsam, was wir üben: meist Mathe mit selbst ausgedachten Aufgaben und Kurztests oder Rechtschreibung mit Diktaten. Für mehr Spannung verbinden wir das manchmal mit kleinen Challenges. Nach dem Lernen malen wir, spielen selbst erfundene Spiele, gehen auf den Spielplatz oder unterhalten uns einfach.
Ein festes Ritual seit dem ersten Treffen: Wir halten auf zwei Zetteln Datum, ein paar Sätze und ein Bild zum Tag fest und sammeln sie in einer Box für spätere Erinnerungen. Anfangs dachte ich, wir lesen sie beim letzten Treffen. Mittlerweile weiß ich: Für uns hat diese Freundschaft kein Ende.
Welche Aktivitäten oder Unternehmungen bringen euch beiden am meisten Spaß?
Am liebsten mögen wir selbst ausgedachte Spiele und gemeinsame Ausflüge. Besonders das KinderHelden-Sommerfest ist für uns jedes Jahr ein echtes Highlight.
Gibt es eine Aussage deines Mentees, die dich besonders berührt oder zum Nachdenken gebracht hat?
Vor ein paar Monaten gab es einen Moment, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: Wir haben gemeinsam über 20 liegen gebliebene Seiten in Nohas Deutsch- und Matheheften aufgearbeitet, die sie seit einem Monat vor sich hergeschoben und mir verheimlicht hatte. In zwei Treffen haben wir insgesamt sechs Stunden daran gearbeitet.
Danach bedankte sich Noha auf für mich ganz besondere Art: Sie sagte mir ehrlich, dass sie das ohne mich niemals geschafft hätte und ich ihre einzige Hoffnung gewesen sei. Das ging mir nah. Für mich waren es nur Schulaufgaben, für Noha aber Unterstützung, Ermutigung und das Wissen, nicht allein zu sein. Dieser Moment hat mich geprägt und gezeigt, wie viel unsere gemeinsame Zeit bewirkt.

Wie hat sich Noha seit Beginn eures Tandems – schulisch und persönlich – weiterentwickelt?
Schulisch hat sie sich besonders in Mathe verbessert – durch viel Kopfrechnen und gemeinsame Eselsbrücken löst sie Aufgaben heute sicherer. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber eine Situation aus dem Deutschunterricht: Noha hatte nur noch zwei Tage Zeit, ein Gedicht auswendig zu lernen, konnte erst ein paar Zeilen und hatte innerlich schon aufgegeben. Wir haben uns drangesetzt und für jedes Wort Bewegungen ausgedacht. Es war anstrengend, aber unglaublich lustig. Nach zwei Stunden saß der komplette Text. Beim nächsten Treffen erzählte sie mir stolz von ihrer 1. Das hat gezeigt: Oft fehlt einfach nur ein bisschen Mut, um an sich selbst zu glauben.
Begleitperson statt Lehrerin: Vertrauen auf Augenhöhe
Welche Punkte stehen für dich bei der Begleitung deines Mentees an erster Stelle?
Am wichtigsten ist mir, dass Noha sich bei mir wohlfühlt und mir alles anvertrauen kann. Ich sehe mich nicht als Lehrerin, sondern als Begleitperson, die für sie da ist und sie unterstützt. Unsere Treffen sollen sich natürlich anfühlen und niemals wie Zwang. Ich möchte, dass sie gerne kommt und wir einfach eine gute Zeit haben.
Was war bislang dein absoluter Lieblingsaugenblick bei KinderHelden?
Ich kann mich gar nicht auf einen einzigen Moment festlegen. All diese Erlebnisse ergeben zusammen genau das, was KinderHelden für mich ausmacht: eine Mischung aus Spaß, kleinen und großen Erfolgen sowie vielen schönen gemeinsamen Augenblicken.
Regenturm, KI und Graffiti: Unvergessliche Ausflüge & Anekdoten
Inwiefern hat dich die Zeit als Mentorin persönlich bereichert?
Das Tandem hat mich vor allem durch Nohas Dankbarkeit und Wertschätzung bereichert – sie ist der Grund, warum ich nie einfach so aufhören könnte. Es ist schön zu sehen, welch besondere Freundschaft entsteht, wenn man sich auf etwas Neues einlässt und Zeit investiert.
Weshalb würdest du jemandem empfehlen, ebenfalls Mentor:in bei KinderHelden zu werden?
Das 1:1-Mentoring ist eine besondere Chance, eine Freundschaft aufzubauen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun. Es tut gut, zu wissen, dass sich jemand auf das Wiedersehen freut und die Zeit genauso schätzt wie man selbst. Zudem macht es Spaß, Wissen weiterzugeben und ein Kind positiv zu prägen.
Gerade für Lehramtsstudierende oder Menschen, die ein Kind längerfristig begleiten möchten, ist diese Erfahrung spannend. Durch die von KinderHelden organisierten Ausflüge haben wir enorm viel Neues gelernt. Das hat uns beide geprägt, denn wann lernt man sonst schon etwas über KI bei Bosch, Tiere in der Wilhelma oder Demokratie beim Graffiti-Sprühen? Mentoring prägt nicht nur die Kinder, sondern auch uns Erwachsene, daher ganz klar: Mitmachen lohnt sich!
Sie begleiten ein Grundschulkind mit nur zwei Stunden wöchentlich auf seinen Bildungsweg. Dabei machen sie ihm Mut und können mit Ihrer Zeit viel bewegen.
Weitere Informationen und die Anmeldung finden Sie bei unserer Infoveranstaltung.