30 Juli “Man unterstützt nicht irgendein Projekt – man unterstützt ein Kind.”
Interview mit Gilian Rehm über sein Ehrenamt bei KinderHelden
Vor viereinhalb Jahren begann Gilian Rehm als Werkstudent bei AEB. Neben den idealen Arbeitsbedingungen lernte der heute 24-Jährige vor allem die gelebten sozialen Werte des Softwareunternehmens schätzen. Als er über den Stiftungs-Channel auf das digitale Leseförderprojekt „Fit für Fünf“ von KinderHelden aufmerksam wurde, war für ihn schnell klar: „Dieses Ehrenamt passt perfekt zu mir.“
Heute begleitet Gilian bereits seinen zweiten Viertklässler – und das komplett digital von Wien aus, wo er berufsbegleitend seinen Master absolviert.
Was macht „Fit für Fünf“ für dich besonders?
Man engagiert sich nicht allgemein für ein Projekt, sondern begleitet im 1:1-Kontakt ein Kind ganz persönlich – sechs Monate lang, jede Woche eine Stunde. Dadurch entsteht eine Beziehung. Man merkt, wenn das Kind Fortschritte macht, selbstbewusster wird oder sich einfach auf das nächste Treffen freut.
Besonders gut finde ich, dass sich die Stunde pro Woche sehr gut in den Arbeitsalltag integrieren lässt. Viel mehr braucht es eigentlich nicht – eine Stunde Zeit und ein bisschen Vor- und Nachbereitung.
Wie liefen eure Treffen ab?
Mit Matin, meinem ersten Mentee, habe ich meistens mit dem Lesen begonnen. Wir haben uns abgewechselt: Mal las Matin, mal ich einen Abschnitt. Mir war wichtig, dass er nicht das Gefühl hat, alles allein schaffen zu müssen. Einmal haben wir gemeinsam die Fußballergebnisse gelesen. Fußball ist zwar nicht mein Sport – aber wenn es Matin interessiert, dann lesen wir eben darüber. Außerdem haben wir Rätsel gelöst. Das lockert die Treffen auf und macht beiden Spaß.
Welche Fortschritte hast du bei Matin beobachtet?
Matin ist ein unglaublich herzlicher Junge, aber man hat gemerkt, dass er erst Vertrauen aufbauen musste. Seine Eltern sprechen wenig Deutsch. Deshalb war es für ihn besonders hilfreich, regelmäßig mit einem Muttersprachler zu sprechen.
Mit der Zeit ist er richtig aufgetaut. Er erzählte immer mehr von seinen Freunden und sogar von den Straßenbahnen in seiner Heimatstadt Hamburg, die – wie wir festgestellt haben – genauso oft Verspätung haben wie die in Stuttgart.
Gab es einen Moment, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Ja. Matin hat mehrere Geschwister. Deshalb ist es für ihn besonders wertvoll ist, regelmäßig meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen. Einmal fragte er mich, ob wir gemeinsam schriftlich dividieren könnten. Da merkt man: Es geht nicht nur ums Lesen. Es geht darum, dass ein Kind jemanden hat, der sich Zeit nimmt. Ein Satz von Matin ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Es ist schön, dass du dir Zeit nimmst.“
Das bringt für mich auf den Punkt, worum es beim Mentoring eigentlich geht.
Was nimmst du persönlich aus dem Ehrenamt mit?
Ich fühle mich einfach gut dabei. Es ist schön, was man mit wenig Aufwand bewirken kann. Eine Stunde pro Woche klingt zunächst nicht nach viel. Für ein Kind kann diese Zeit aber einen großen Unterschied machen. Außerdem war es schön zu sehen, wie schnell Vertrauen entsteht. Kinder sind unglaublich ehrlich. Wenn ihnen etwas gefällt, merkt man das sofort.
Wie bewertest du die Unterstützung durch AEB?
Ich würde mich auch ohne Freistellung durch die AEB engagieren. Aber ich finde es großartig, dass mein Arbeitgeber dafür Raum gibt und gesellschaftliches Engagement so stark unterstützt. Gerade für Mitarbeitende, die wenig Zeit, oder auch eigene Kinder haben, ist das gewinn-bringend, sich während der Arbeitszeit zu engagieren.
Würdest du das Ehrenamt anderen Kolleginnen und Kollegen empfehlen?
Auf jeden Fall. Der Aufwand ist gering, aber die Wirkung ist groß. Man braucht keine pädagogischen Vorkenntnisse. Die Materialien und die Begleitung durch KinderHelden helfen dabei. Und das Schönste ist: Man sieht direkt, für wen man das macht.
Man unterstützt nicht irgendein Projekt – man unterstützt ein Kind.