29 Juni Unbeschreiblich gut: Wenn Mentoring über Jahre hinweg verbindet
Wie aus dem Tandem von Nadim und Samuel eine langfristige Begleitung wurde – und warum es sich lohnt, dranzubleiben
Seit Oktober 2021 gehen Nadim und Samuel ihren Weg als KinderHelden-Tandem. Dabei zeigen der SAP-Mitarbeiter und der Zwölfjährige immer wieder eindrucksvoll, was Mentoring bewirken kann. Denn was als freiwilliges Engagement begann, ist über die Jahre zu einer verlässlichen Beziehung gewachsen, geprägt von Vertrauen, gemeinsamen Erlebnissen und vielen kleinen Fortschritten. Ihre Geschichte macht deutlich: Mentoring ist keine kurzfristige Unterstützung, sondern kann echte, nachhaltige Wirkung für beide Seiten entfalten. Und manchmal entsteht dabei etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt.
Als Nadim sich damals entschied, Mentor bei KinderHelden zu werden, war sein Antrieb klar: „Ich hatte selbst viel Glück im Leben, und es ist mir ein Anliegen, etwas zurückzugeben“, erzählt er. Gleichzeitig waren seine eigenen Kinder bereits älter – Zeit und Kapazität waren vorhanden. „Ich wollte einfach etwas Sinnvolles tun, wovon jemand anderes profitiert.“ Ursprünglich war seine Tandemzeit mit Samuel auf ein Jahr ausgelegt. Dass daraus eine so lange und vertrauensvolle Beziehung entstehen würde, war zu Beginn noch offen. Nach jedem Jahr stellten er und Samuel sich die Frage: Weitermachen oder nicht? Bisher lautete die Antwort immer Ja. „Da Samuel das bisher immer wollte, war das für mich Motivation genug“, sagt Nadim.
Der wohl prägendste Mentoring-Moment war gleich der erste: das Kennenlernen. „Ich wusste überhaupt nicht, was mich erwartet und war vorher etwas skeptisch. Aber ich habe da offene Türen eingerannt“, berichtet Nadim. Schon damals war spürbar, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt. „Wir hatten vom ersten Moment an einen guten Draht zueinander.“
Gerade in der Anfangszeit, während Corona, fand vieles digital statt. Regelmäßige Videocalls prägten den Start der Tandemzeit. Doch auch später gab es zahlreiche gemeinsame Erlebnisse: ein selbst gebautes Insektenhaus im Luisenpark im Rahmen der Bundesgartenschau 2023, spannende Nachmittage im Mannheimer Technoseum oder gemeinsame Ausflüge und Wanderungen in der Rhein-Neckar-Region.
Ein fester Bestandteil ihrer Treffen ist bis heute ein kleines Ritual: das Ratespiel. „Du lässt dir etwas einfallen, zum Beispiel eine Person oder ein Tier“, erklärt Samuel. „Der jeweils andere muss es dann erraten.“ Ein einfaches Spiel – dafür eines, das Nadim und Samuel sowohl verbinde als auch zu einem echten Klassiker im Tandem wurde.
Natürlich wird auch gelernt. Mathe und Lesen stehen regelmäßig auf dem Programm – aber ohne Druck. Für Nadim ist klar, worauf es wirklich ankommt: „Ich würde den Fokus immer auf eine schöne gemeinsame Zeit und mittelfristige Lernfortschritte legen, weniger auf einzelne Klassenarbeiten.“ Denn Mentoring bedeutet mehr als schulische Unterstützung. „Man kann auch Werte vermitteln: Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Offenheit sind im Zweifel wichtiger als eine gute Schulnote.“
Samuel, der jüngste von acht Geschwistern, profitiert dabei besonders von der ungeteilten Aufmerksamkeit. „Mir ist schnell klar geworden, dass genau das etwas ganz Besonderes ist – und dass man allein dadurch bereits viel erreicht“, sagt Nadim.
Heute ist Samuel in der 5. Klasse. Als sogenanntes StarkMacher-Tandem treffen er und Nadim sich die beiden etwa einmal im Monat, früher war es einmal pro Woche. Die Beziehung ist gewachsen, gereift und bleibt gleichzeitig leicht und lebendig.
Das zeigt sich auch in Samuels Worten, die er für seinen Mentor findet. Auf die Frage, wie er Nadim beschreiben würde, sagt er nur: „Man kann ihn gar nicht beschreiben, so gut ist er. Er ist unbeschreiblich.“ Und wie beschreibt er ihr Tandem in einem Wort? – „Spaß.“ 😊
Auch beruflich lässt sich das Engagement gut integrieren. „Glücklicherweise sehr gut“, sagt Nadim. „Bei meinem Arbeitgeber können wir unsere Arbeitszeit flexibel einteilen, sodass ich die Treffen gut organisieren kann.“ Selbst wenn Termine einmal kollidieren, finden sich Lösungen: Bei einer Tandemveranstaltung – einem Hoffenheim-Spiel, zu dem die KinderHelden-Tandems und ihre Familien eingeladen waren – war Nadim im Ausland. Samuel nahm dafür kurzerhand seinen Bruder mit. Ein schönes Beispiel dafür, wie flexibel und alltagsnah Mentoring sein kann.
Was würde Nadim Menschen sagen, die überlegen, Mentor² zu werden?
„Es ist sehr bereichernd und erfüllend, ein Kind zu begleiten. Man hat viel Spaß und erlebt viele tolle Momente. Und wenn man merkt, dass etwas hängenbleibt, weiß man, wofür man es macht.“ Besonders niedrigschwellig ist mittlerweile auch die digitale Variante des Mentorings im Projekt „Fit für Fünf“, in dem sich einige von Nadims Arbeitskollegen² engagieren. „Der Zeitaufwand ist geringer und die Hemmschwelle sinkt. Ich würde empfehlen, es einfach mal auszuprobieren.“
Die Geschichte von Nadim und Samuel zeigt, dass Mentoring weit über ein Jahr hinausgehen kann. In dieser Zeit entstehen Vertrauen, Verlässlichkeit und eine ganz besondere Beziehung zueinander. Die Zeit im Tandem bei KinderHelden ist dabei mehr als gut investiert, beide empfinden sie als wertvoll. Oder, wie Samuel sagen würde: „Unbeschreiblich.“



