11 Juni Freude, Sinn und neue Perspektiven: Mentoring im Ruhestand
Jürgen und Abdirahin entdecken gemeinsam die Freude am Lernen
Was gibt dem Alltag im Ruhestand eine besondere Bedeutung? Für viele Menschen ist es der Wunsch, ihre Zeit sinnvoll einzusetzen und gleichzeitig etwas zurückzugeben. Auch hier setzt das Mentoring-Programm von KinderHelden an. Mentor Jürgen und sein Mentee Abdirahin zeigen, dass generationenübergreifendes Lernen nicht nur möglich ist, sondern dass auch beide Seiten von dieser Erfahrung profitieren.
Wenn Jürgen Hanel den achtjährigen Abdirahin jeden Mittwoch von der Käthe-Kollwitz-Schule im Mannheimer Stadtteil Herzogenried abholt, beginnt für beide eine ganz besondere Zeit. Denn dann geht es in die Bibliothek, sie lesen zusammen, schauen die Hausaufgaben durch und spielen auch mal eine Runde UNO. Bei gutem Wetter zieht es sie nach draußen, in den Ferien stehen kleine Ausflüge auf dem Programm. „Nach dem Lernen darf ich mir aussuchen, was wir machen“, erzählt Abdirahin stolz. Diese Mitbestimmung motiviert und stärkt sein Selbstvertrauen. Außerdem macht der Grundschüler beachtliche Fortschritte beim Lernen, das Vertrauen zwischen ihm und Jürgen ist innerhalb weniger Monate stark angewachsen. „Zu Beginn war es sehr schwer, ihn zu Lesen zu motivieren“, blickt Jürgen auf den Anfang der Tandemzeit zurück. „Mittlerweile fordert Abdirahin es selbst ein.“
Viele KinderHelden-Mentoren² entscheiden sich im Ruhestand ganz bewusst für dieses Engagement. Sie möchten ihre Lebenserfahrung weitergeben und einen Beitrag dazu leisten, dass Kinder – unabhängig von ihren Startbedingungen – faire Bildungschancen erhalten. Dabei braucht es keine pädagogische Ausbildung. Viel wichtiger sind Geduld, Verlässlichkeit und die Freude am Umgang mit jungen Menschen – so, wie Jürgen sie durch Abdirahin jede Woche neu erlebt.
Doch nicht nur die Kinder profitieren. Viele Mentoren² im Ruhestand berichten, dass sie selbst viel zurückbekommen: neue Perspektiven, bereichernde Begegnungen und das gute Gefühl, wirklich etwas zu bewirken. Jürgen, der vor der Rente als Chemotechniker in der Textilbranche gearbeitet hat, beschreibt sein Engagement als eine Art „Jungbrunnen“, welcher ihm jede Woche neue Energie und Lebensfreude schenkt. Nach Beendigung seines Arbeitslebens hat er einen solchen in der Zeit mit Abdirahin gefunden und nimmt selbst viel von den Treffen mit.
Auf die Frage nach einem besonderen Erlebnis im Tandem muss Jürgen nicht lange überlegen. Er lächelt und erinnert sich an seine Zeit als Tauchlehrer in Australien – viele Jahre liegt das inzwischen zurück. Damals hätte er nicht gedacht, dass diese Erfahrung eines Tages einen Jungen in Deutschland begeistern würde. „Haie sind Abdirahins absolute Lieblingstiere. Ich habe ihm erzählt, dass ich einmal mit Walhaien getaucht bin“, berichtet Jürgen. „Er war so fasziniert, dass ich beschlossen habe, mit ihm ins Sea Life nach Speyer zu fahren. Dieser Tag war für uns beide ein echtes Highlight.“ Solche gemeinsamen Erlebnisse bleiben in Erinnerung und zeigen, wie wertvoll die Verbindung zwischen den Generationen sein kann.
Wer sich vorstellen kann, ein Kind zwei Stunden pro Woche auf seinem Bildungsweg zu begleiten, ist bei KinderHelden genau richtig. Gerade im Ruhestand bietet sich die Chance, Zeit, Lebenserfahrung und Wissen sinnvoll einzubringen – und dabei selbst aktiv und verbunden zu bleiben. Das Engagement lässt sich gut in den Alltag integrieren und wird professionell begleitet. Durch diese Aufgabe kann man nicht nur einem Kind mit erschwerten Startbedingungen zur Seite stehen, sondern auch für sich selbst neue Perspektiven entdecken. Der wichtigste Schritt? Einfach anfangen. Denn oft entsteht aus einem kleinen Einsatz etwas Großes – für das Kind und für einen selbst.
Haben Sie den Mut, es auszuprobieren. Ihr Engagement kann den Unterschied machen.
Anmeldung: https://www.kinderhelden.info/mitmachen/
Das Ehrenamt als Mentor vor Ort ist an den Standorten Hamburg, Hannover, Frankfurt, Rhein-Neckar (Mannheim/Ludwigshafen), Stuttgart und München möglich.
Ein Bericht über Jürgen und Abdirahin ist auch in der Stadtteilzeitung herzog*in erschienen.