Studium, Nebenjob – und trotzdem Zeit für Ehrenamt?

Warum ein Ehrenamt im Studium kein Zeitfresser, sondern ein echter Gewinn ist

Was wäre, wenn zwei Stunden pro Woche nicht Energie kosten, sondern neue geben würden?

Diese Frage hat sich Studentin Lena gestellt – und sich für ein Engagement bei KinderHelden entschieden. Trotz Klausurenstress, Nebenjob und vollen To-do-Listen nimmt sie sich heute zwei bis drei Stunden pro Woche Zeit, um gemeinsam mit ihrem Mentee zu lesen, Mathe zu lernen und sinnvoll Freizeit zu gestalten. Dabei versteht Lena ihren Einsatz nicht als zusätzliche Belastung, sondern als echten Ausgleich. Die Aussage “Eigentlich eine gute Sache – aber ich habe keine Zeit” gilt für sie nicht. Ihr Weg macht deutlich, dass Engagement im Studium kein Verzicht ist, sondern eine bewusste Investition in Sinn, die eigenen Fähigkeiten und gesellschaftliche Verantwortung.

Wie Studentin Lena zu KinderHelden kam – und warum der Funke sofort übersprang

Lena ist 25 Jahre alt und studiert aktuell Management im Master an der Universität Mannheim. Zuvor hat sie bereits einen ersten Master in Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Wer sie persönlich kennt, hört an ihrem immer noch leicht vorhandenen Dialekt schnell heraus, dass sie ursprünglich aus Schwaben kommt. Nach dem Abitur zog es sie für ihr Bachelorstudium zunächst nach Konstanz an den Bodensee – heute ist Mannheim ihr Lebensmittelpunkt. Ihr Alltag ist dabei alles andere als entspannt: Studium, Werkstudentenstelle, Prüfungsphasen. Und trotzdem hat sie sich bewusst für ein Ehrenamt entschieden.

Auf KinderHelden wurde Lena durch ihre Mitbewohnerin aufmerksam, die ihr von ihrem Engagement bei der gemeinnützigen Organisation erzählt hat. Das Konzept klang für Lena direkt spannend, weil sie sich gerne wieder ehrenamtlich engagieren wollte – und zwar in einem Bereich, der bewusst nichts mit ihrem Wirtschaftsstudium zu tun hat. Das Ehrenamt ist für sie sozusagen ein Perspektivwechsel. „Ich habe einen Ausgleich zum Uni-Alltag gesucht“, erzählt Lena. „Und was gibt es Schöneres, als diesen Ausgleich mit etwas zu verbinden, das einem Kind einen echten Mehrwert bietet?“ Für sie war schnell klar: Dieses Engagement könnte genau das sein, was ihr im oft sehr kopflastigen Studium fehlt.

Motivation trotz Zeitdruck

Die Entscheidung, Mentorin zu werden, fiel bei Lena nicht zufällig. Während ihres Bachelorstudiums nahm sie selbst an einem Mentoringprogramm für junge Frauen teil. Ein Jahr lang wurde sie von einer inspirierenden Mentorin begleitet – mit Fokus auf Selbstbewusstsein, Orientierung und Bewerbungen. Besonders prägend war für sie, dass sie aus einem nicht-akademischen Elternhaus kommt. „Für viele Dinge an der Uni hatte ich niemanden, den ich einfach fragen konnte. Dieses Mentoring hat mir unglaublich geholfen“, sagt sie. Genau diesen Mehrwert wollte sie weitergeben – auch wenn das Mentoring bei KinderHelden natürlich ganz anders aussieht.

Für Lena bedeutet ihr Engagement bei KinderHelden vor allem eines: etwas zurückzugeben. Sie ist überzeugt, dass eine Patenschaft einen positiven und nachhaltigen Einfluss haben kann – einen, von dem Kinder oft noch Jahre später profitieren.

Nach den Treffen mit ihrem Mentee geht sie meist mit einem richtig guten Gefühl nach Hause. Natürlich gibt es auch anstrengende Tage: Wenn die Motivation fürs Lernen fehlt oder einer von beiden einfach einen schlechten Tag hat. „Aber diese ein bis zwei Stunden pro Woche hallen noch lange nach“, sagt Lena. Zu wissen, dass ihr Mentee sich auf die Treffen freut und sie nicht als Pflicht empfindet, ist für sie die größte Bestätigung.

Lernen darf Spaß machen – für beide Seiten

Ein Moment ist Lena besonders im Gedächtnis geblieben: das erste Treffen nach den Weihnachtsferien. Gemeinsam starteten sie mit dem Mathe-Training im Zahlenraum bis 100. Da ihr Mentee schnell die Motivation verliert, wurde Kreativität gefragt. Statt Zahlen nur aufzuschreiben, verwandelten sie die Übung in ein Wettrennen: Zahlen im Schulgebäude suchen, zurück zum Tisch sprinten und sie mit Einer- und Zehnerplättchen legen. Das Ergebnis? Begeisterung beim Kind – und Muskelkater bei der Mentorin. „Mir hat das gezeigt, dass man Lernen und Action perfekt verbinden kann“, sagt Lena. Und dass man von einem Achtjährigen manchmal mehr lernt, als man denkt.

Aus ihrer Mentorschaft bei KinderHelden hat Lena bis heute vor allem eines gezogen: Lernen nicht aus bloß der eigenen Perspektive zu betrachten. Dinge, die für sie seit Jahren selbstverständlich sind, sind für ein Kind oft neu, komplex und fordernd. Während ihr das Lernen immer leichtfiel, ist es für Kinder, die nicht lange stillsitzen können oder wenig Unterstützung zu Hause erfahren, eine ganz andere Herausforderung. Sich darauf einzulassen, das Tempo anzupassen und die eigene Sichtweise zu hinterfragen, hat Lenas Fähigkeit zum Perspektivwechsel enorm gestärkt.

Ehrenamt im Studium: ein neuer Blick auf Bildung und Ungleichheit

Lena ist behütet in einem kleinen Dorf aufgewachsen. In Mannheim erlebt sie nun eine ganz andere Realität: Grundschulklassen, in denen man schwierige Lebensverhältnisse oder finanzielle Sorgen oft deutlich wahrnimmt. „Es macht einen großen Unterschied, ob Eltern schulische Förderung leisten können oder nicht“, sagt sie. Diese Erfahrung hat ihren Blick auf Bildungsgerechtigkeit geschärft – und ihr gezeigt, wie wichtig die Arbeit von Mentoren² ist, um Kinder aufzufangen, die sonst zu kurz kommen würden.

Und das Studium? Lässt sich das vereinbaren?

Die Termine mit ihrem Mentee plant Lena jede Woche neu und passt sie an ihren Stundenplan an. Natürlich gehören auch Fahrtwege dazu, und es gibt Nachmittage, an denen der Kopf noch bei der To-do-Liste für die Uni ist. In besonders stressigen Phasen – etwa während der Klausuren – pausiert das Mentoring kurz. Das kommuniziert sie offen mit der Familie ihres Mentees. „Er war ganz erstaunt, was Klausuren überhaupt sind und was man an einer Universität macht“, erzählt Lena. Auch das sei ihr wieder bewusst geworden: Nicht jedes Kind wächst mit dem Wissen auf, dass Studieren einmal eine Option sein kann.

“Ich habe keine Zeit” – wirklich?

Vielen Studierenden, die denken, sie hätten keine Zeit für ein Ehrenamt, begegnet Lena mit einer klaren Haltung: „Anstatt drei Stunden am Handy zu sitzen, kann man diese Zeit nutzen, um etwas wirklich Gutes zu tun und einem Kind eine Freude zu machen. Ich würde behaupten, dass die meisten Studierenden an meiner Uni eher in behüteten Verhältnissen aufgewachsen sind. Wir müssen uns einfach wieder bewusster werden, dass das eben nicht für jedes Kind selbstverständlich ist.”

Warum gerade Studierende ideale Mentoren² sind

Studierende – auch aus BWL, VWL oder ähnlichen Studiengängen – arbeiten schon im Studium sehr kopflastig. Komplexe Inhalte, Leistungsdruck, lange Stunden am Schreibtisch gehören zum Alltag. „Gerade deshalb ist es so bereichernd, etwas in einem ganz anderen Bereich zu tun“, sagt Lena. Ein Ehrenamt bei KinderHelden ist kein weiterer Leistungsnachweis, sondern ein echter Gegenpol: Mensch statt Modell, Beziehung statt Bewertung.

Ehrenamt, Bildung und Demokratie

Für Lena ist klar: Ehrenamt spielt eine zentrale Rolle für unsere Gesellschaft. Nicht alle Eltern können ihre Kinder ausreichend fördern – sei es aus Zeit-, Geld- oder anderen Gründen. Mentoren² schenken Kindern ungeteilte Aufmerksamkeit und leben vor, dass Bildung wichtig ist und Freude machen kann. Gerade im Hinblick auf Demokratie bedeutet das: gleiche Chancen auf Teilhabe und Bildung. Indem Kinder früh erfahren, dass ihre Meinung zählt und sie etwas bewirken können, wird ein wichtiger Grundstein für eine demokratische Gesellschaft gelegt. Lena sagt:

“Für mich bedeutet eine bessere Gesellschaft, dass jeder die gleichen Chancen bekommt und dass diejenigen, die bereits Privilegien genießen, andere unterstützen, die diese Möglichkeiten noch nicht haben. Genau das verkörpert KinderHelden für mich: Es ist die Unterstützung für all jene, die sonst vielleicht zu kurz kämen oder aus ihrem Elternhaus heraus, ob gewollt oder ungewollt, nicht die gleichen Startbedingungen erhalten wie andere.”

Wenn Lena ihr Ehrenamt bei KinderHelden in einem Satz beschreiben müsste, würde er so lauten: Man gibt viel, hilft dabei, neue Welten zu öffnen, und bekommt am Ende noch viel mehr zurück, vor allem die Dankbarkeit und pure Freude eines Kindes.

Ihr Appell an andere Studierende ist klar: Engagiert euch. Schafft echten Mehrwert. Es lohnt sich – für euch und für die Kinder.

Alle, die sich wie Lena neben dem Studium – oder natürlich auch in anderen Lebensphasen – für Kinder mit erschwerten Startbedingungen engagieren möchten, können sich hier bei KinderHelden anmelden.



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